Jamie Bartlett's The Dark Net Review

Jenseits von Facebook, Google und Twitter gibt es eine Welt, die 400 bis 550 Mal größer ist als das Visible Web, das im Volksmund oft als Internet verallgemeintert wird. Die Rede ist vom so genannten Darknet. Worum es sich beim Darknet handelt, wie man dort hin gelangt und wieso es so wenigen Menschen, obgleich seiner Größe, ein Begriff ist, hat Jamie Bartlett in seinem Buch The Dark Net: Unterwegs in den dunklen Kanälen der digitalen Unterwelt untersucht.

Angefangen beim ARPAnet über das Usenet bis hin zum World Wide Web untersucht Jamie Bartlett in seinem Buch, das am 02. September 2015 im Plassen Verlag erschienen ist, sowohl die Geschichte des Internets, wie auch die damit verbundene Anonymität. Im Zuge der Anonymität verhalten sich viele Menschen anders, als sie es im Scheinwerferlicht tun würden. Drohen einem Menschen keine Konsequenzen, zeigen sie, wozu sie wirklich fähig sind. In abgeschwächter Form findet man diese Verhaltensweisen, in Form von Trolls, Flames und stumpfen Beleidigungen schon im Visible bzw. Surface Web. Das Darknet jedoch übersteigt vieler Menschen Vorstellungskraft. Die meisten Menschen haben keine Ahnung vom Darknet. Entweder, weil sie nichts von dessen Existenz wissen, oder, weil sie keine Ahnung haben, wie sie dorthin kommen.

Dealer, Hacker Pädophile ...
Jenseits der uns vertrauten Onlinewelt - Google, Facebook, Amazon - existiert ein gewaltiges, geheimes und oftmals verstecktes Netzwerk. Dort ist jeder anonym und kann tun, was er will. Es ist eine komplexe, gefährliche und verstörende Welt. Und sie ist viel näher, als wir vielleicht denken.
Der Journalist Jamie Bartlett wirft für sie einen Blick in die Abgründe der digitalen Welt. Er trifft und interviewt unter anderem Pädophile und Faschisten, Hacker und Trolle. Er besucht Seiten, auf denen man online einen Auftragskiller anheuern oder Drogen bestellen kann. Ein faszinierendes Portrait digitaler Subkulturen und der Verhaltensweisen, die entstehen, wenn Menschen sich anonym und sicher wähnen.
Jamie Bartletts The Dark Net: Unterwegs in den dunklen Kanälen der digitalen Unterwelt fesselt von der ersten Seite. Er beschreibt aus der Ich-Perspektive seine Erfahrungen, Gedanken und Begegnungen im Darknet und lernt immer wieder skurrile Persönlichkeiten kennen, die in den unterschiedlichsten Zusammenhängen mit dem Darknet in Verbindung stehen. Egal ob Drogen, Sex, Waffen, Ausweise oder andere Dienstleistungen: Im Darknet bekommt man alles; das meiste jedoch ist illegal: Kinderpornographie, Auftragsmorde oder Foren zum Thema Selbstverstümmelung sind nur einige der Beispiele. Die "dunkle Seite des Internets" fasziniert und schockiert gleichermaßen. Jamie Bartlett's Berichterstattung ist hingegen stets ruhig, menschlich und nachvollziehbar. Statistiken und Trends belegen seine Argumente und erschüttern den Leser, der sich bislang nicht ausmalen konnte, wozu der Mensch fähig sein kann.

Das Buch The Dark Net erläutert dem Leser sowohl die positiven wie auch negativen Aspekte der digitalen Unterwelt. Zum einen können Meinungs- und Pressevertreter, Menschenrechtsaktivisten und Angehörige von Dissidentenbewegungen im Darknet ihrer Arbeit nachgehen, zum anderen kommt an keiner Stelle des Internets eine so hohe Kriminalität zusammen wie im Darknet. „Jeder Mensch reagiert anders auf die Macht und die Freiheit, die Technologien ihm bieten. Mag sein, dass sie es uns leichter machen, Böses zu tun, die Wahl aber liegt immer noch bei uns.“ (Jamie Bartlett, The Dark Net: Unterwegs in den dunklen Kanälen der digitalen Unterwelt, S. 268)

Meiner Meinung nach handelt es sich bei Jamie Bartlett's The Dark Net: Unterwegs in den dunklen Kanälen der digitalen Unterwelt um ein durchaus gelungenes Buch, das allerdings mehr aufgrund seiner spannenden Thematik und der guten Recherchearbeiten überzeugen kann, anstelle des Schreibstils; der, meiner Meinung nach, überwiegend durchschnittlich ist. Dennoch ein durchaus empfehlenswertes Werk, besonders für jene, die mehr über das Internet und was es zu bieten hat erfahren wollen. Auch ich, die schon bereits vor lesen dieses Werkes einiges über das Darknet wusste, wurde immer wieder überrascht und habe noch eniges dazu lernen können.
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Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

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