Lasst den Teufel raus! (Daredevil Review)

Am Wochenende habe ich's endlich geschafft mir Daredevil anzusehen. Nachdem ich vor zwei Monaten ja schon über meine Lieblingsheldin Jessica Jones berichtet habe, habe ich mich umso mehr auf mehr Storys aus Hell's Kitchen gefreut. Bekommen habe ich einen sau coolen Superhelden mit ebenso klasse Begleitern.

Nach einem ja doch eher enttäuschendem Daredevil-Film war die Überraschung bei der Fernsehserie umso größer. Lange habe ich herum gedruckst, ehe ich dann einfach angefangen habe mir die Serie anzusehen und schlussendlich beide Staffeln von Daredevil am Stück weg gesuchtet habe. Die US-amerikanische Fernsehserie von Drew Goddard basiert auf den gleichnamigen Comics von Marvel und spielt im MCU (Marvel Cinemativ Universe). Sie war die erste der insgesamt vier geplanten Netflix Serien, die in einem Crossover unter dem Titel Marvel's The Defenders münden sollen. Neben Daredevil werden zu den Defenders auch Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist gehören.

Background Infos
Die Hauptrolle spielt Charlie Cox, der in die Rolle des titelgebenden Heldens Daredevil bei Nacht beziehungsweise des Rechtsanwalts Matt Murdocks bei Tag schlüpft. Wir erleben die Entwicklung zum Superhelden dabei hautnah mit und lernen einen Matt Murdock kennen, der noch am Anfang seiner Verbrechensbekämpfungen steht und noch nicht einmal sein bekanntes Superheldenoutfit besitzt. Sein Gegenspieler in der ersten Staffel ist der Kingpin Wilson Fisk (gespielt von Vincent D'Onofrio). In Staffel zwei hat Daredevil außerdem mit dem Punisher und der Organisation "Die Hand" zu tun, die ihm so einiges abverlangen. Das schöne daran ist, dass die Serie in Staffel 2 gar nicht versucht, den Schurken aus der ersten Staffel zu toppen, sondern uns mit der Hand und dem Punisher zwei gänzlich andere Gegenrollen bietet. Unterstützt wird Matt bei der Verbrechensbekämpfung von seinen besten Freunden Franklin "Foggy" Nelson (gespielt von Elden Henson) und Karen Page (gespielt von Deborah Ann Woll), die teils gar nicht wissen, in welche Rolle Matt bei Nacht schlüpft.

Die Charaktere
Die gesamte Serie hat einfach einen unglaublich guten Plot mit großartigen Helden und ebenso großartigen Gegenspielern. Ich habe durchgängig mit Matt Murdock mitgefiebert, mir gewünscht, dass er über seine Gegner doch siegen möge und ich habe mit ihm gelitten, wenn "wir" einen Gegenschlag erlebt haben. Matt Murdock ist blind. Er hat sein Augenlicht schon als Kind durch einen Autounfall verloren. [Spoiler] Derselbe Autounfall, in dem Jessica Jones ihre Kräfte erlangte? [Spoiler Ende] Doch das hindert ihn nicht im geringsten. Nach dem Tod seines Vaters wurde er von Stick trainiert. Stick ist ebenfalls blind und kann sich dementsprechend gut in Matt hinein versetzen. Ich finde Stick unglaublich lustig.

Dann hätten wir dan natürlich noch Foggy und Elektra. Elektra ist einfach cool. Nicht auf die nette, aufgeklärte Weise, sondern auf die düstere, gefährliche Weise cool. Elektra hat ungewöhnliche Methoden, aber dafür jede Menge selbstvertrauen und kämpft (in den meisten Fällen) nach wie vor für eine gute Sache. Das macht sie mir auf eine merkwürdige Weise so sympathisch. Sie ist definitiv kein 0/8/15 Charakter, sondern einer mit Tiefgang. Foggy, Matt Anwaltspartner, ist da komplett anders, aber deshalb nicht weniger fantastisch. Im Grunde gehörte er in der Serie zu meinen absoluten Lieblingen: Immer für seine Freunde da, stellt sich Herausforderungen, erledigt seinen Anwaltskrams und zieht Matt immer wieder raus. Dafür liebe ich ihn.

Let's talk about Karen Page
Nichts desto trotz gab es einen Charakter, mit dem ich nie ganz ins reine gekommen bin: Karen Page. Karen Page stellt sich teilweise wirklich dämlich an, besonders wenn es darum geht, die wahre Identität von Daredevil zu erkennen. Außerdem ging mir ihr ständiges Gutmenschentun auf den Keks. Karen schien in der Serie einfach keine Fehler zu haben und wirkte, in meinen Augen, durch ihre ständige Selbstlosigkeit einfach nur nervig. Außerdem fand ich ihren Karrierepfad von einer Was-Auch-Immer bei einer riesigen Firma zur Mandantin von Nelson und Murdock zur Sekretärin bei selbigen zur Privatdetektivin (lass da lieber Jessica ran!) Schrägstrich Reporterin Schrägstrich Assistentin nur wenig glaubwürdig. Wieso sitzen ihre Haare eigentlich IMMER perfekt?! [SPOILER] Und was sollte eigentlich diese Liebelei mit Matt?! Die erste Staffel hat sie doch noch mit Foggy angebändelt, der sich ja nun wirklich den Arsch für sie aufgerissen hat, viel mehr mit ihr erlebt hat und immer für sie da war. Aber nein, auf Nachfrage findet sie, dass Matt der besser aussehende von den beiden sei. Achso. Ja klar. Dann scheiß halt auf innere Werte und nimm Matt. Macht total Sinn. Macht ja nichts, dass die beiden überhaupt nicht zu einander passen. [SPOILER ENDE] Und damit meine ich nur die Serien-Page! Was im Comic wunderbar als Romanze funktionieren mag, funktioniert in der Serie bislang einfach überhaupt nicht. Mir fehlt da einfach die Chemie.

Alles in allem...
...hat mir die Serie gut gefallen. Obwohl mich Karen Page immer mal wieder aufgeregt hat und ich mir einige Wendungen speziell bezüglich dieses Charakters anders gewünscht hätte, war sie mir auch nicht gänzlich unsympathisch. Das ist meiner Meinung nach auch der große Knackpunkt der Serie: Keiner der Charaktere war mir unsymptathisch. Die Charaktere und ihre Beweggründe und Facetten waren großartig und haben super miteinander harmoniert. Der Spannunsbogen konnte während der Serie durchgängig aufrecht gehalten werden und Hell's Kitchen war so schön Hölle wie eh denn je. Die ersten Anspielungen auf Jessica Jones gab es bereits (ebenso wie es in Jessicas Serie Anspielungen auf Daredevil gab). Was mich besonders überrascht hat, ist, dass, obwohl ich nie Fan von Daredevil war, ihn so sehr abgefeiert habe. Mir hat seine Serie besser gefallen als Jessicas, obwohl ich Jessica einfach super finde.

Ich finde Daredevil ist die bislang beste Comicumsetzung in Serienform, die es gegeben hat. Ich finde es großartig, dass die Serie insgesamt so ein rundes Ding geworden ist. Schade, dass es bis Staffel 3 jetzt wohl noch eine ganze Weile dauern wird.

nonsense Bewertung
9.5 von 10 Punkten
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Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

6 Kommentare:

  1. Hm, ich mag Karen.

    Btw hatte ich kürzlich eine interessante Diskussion über sie und Matt, was die Erkennung betrifft. Ich war ein wenig verwundert, weil sie ihn ja eigentlich in einer bestimmten Szene hätte erkennen sollen und dann eine der letzten von Season 2 in der du weißt schon was. Aber mein Mann hatte da einen wunderbaren Einwand. Natürlich müsste sie ihn doch längst erkannt haben, aber warum sollte man vermuten, dass das ein blinder Anwalt ist, der da unter der Maske steckt? Würde man einem blindem Menschen wirklich solche Fähigkeiten zusprechen? Sicher, optisch der Teil vom GEsicht welcher sichtbar ist ... aber einen kurzen Bart haben ja noch mehr Männer und Matt wäre der letzte Mensch, den man als Helden vermuten würde. Daher passt es letztlich also doch. Man muss nur vom richtigen Blickwinkel rangehen. *g*

    Ich mag Karen allein schon aufgrund ihrer Beziehung zum Punisher. Sie ist eine der wenigen, die ihn als Menschen sieht und nicht nur als Monster.

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    1. Das Ding ist, manchmal(!) mag ich Karen auch. Aber dann regt sie mich im nächsten Moment wieder so tierisch auf, dass ich einfach nur in die Fernbedienung beißen könnte. :D

      Ich finde es schon komisch, dass sie Matt nicht erkennt. Sie kennt immerhin einen Ausschnitt vom Gesicht, die Statur und, am wichtigsten, hört sie die Stimme. Ich meine, wenn sie ihn schon liebt, dann müsste man meinen, dass sie wenigstens seine Stimme oder seinen Geruch oder so wieder erkennt, aber nö. Außerdem ist immer, wenn in der Stadt was los ist, er zuuuufällig nicht erreichbar und hat am nächsten Tag überall Wunden :D Das hat sie ja sogar mitbekommen, aber rallen tut sie es trotzdem nicht. Andererseits macht das, was du sagst, auch Sinn. Und stimmt: Ihre Beziehung zum Punisher war wirklich etwas, das ich an ihr auch geschätzt habe. Aber ich fand auch, dass sie etwas zu blauäugig an die Sache ran gegangen ist.

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    2. Schon irgendwie, aber wir Menschen haben halt diesen Hang, komische Dinge zu tun, oder einfach Mal auf dem Schlauch zu stehen. Ich bin ja selbst auch so ein kleines manchmal zerstreutes Wesen. xD

      Daher fällt es mir leicht, auch solche Charaktere glaubhaft zu finden. Über die Darstelleringen in Fielding-Romanen wird sich ja auch gern aufgeregt. Wie dumm, einfach Mal einem fremden Mann trauen, etc. Aber hey, die Liebe macht komische Dinge mit einem. Und ich denke eine ganz bestimmte Szene hat schon gezeigt, dass das Karen durchaus bewusst zu werden schien, wer er ist. Ich glaube als sie so ganz nah beieinander standen, hat sie doch eine Ahnung gehabt.

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    3. Ja, na gut. Damit gebe ich mich zufrieden. ^-^

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  2. Wir sind leider erst bei der Haelfte der zweiten Staffel, aber meine Fresse ist das alles geil inszeniert. Season 1 hat mich ja bereits aus den Socken gehauen, aber der Punisher legt einfach nochmal einen drauf!
    Im gegensatz zu den Strahlemann-Filmen gefallen mir die Serien von Marvel richtig, richtig gut.

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