Eine mörderische Dinnerparty

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Joan Crayford, britischer Filmstar. Aber natürlich kennen Sie mich schon, schließlich bin ICH die berühmteste Schauspielerin ganz Englands! Das zumindest behauptete vergangenen Samstag meine Rolle beim Krimidinner von sich. Und ich muss schon sagen: Ich war bislang in meinem Leben schon auf der ein oder anderen Party. Aber das war ein Abend, den man nicht so schnell vergisst.

Vor Kurzem hatte eine sehr gute Freundin von mir Geburtstag. Zur Feier des Tages hatte sie sich etwas ganz besonderes überlegt: Ein Krimidinner. Ich selber war zuvor noch nie bei einem Krimidinner, hatte so etwas in der Art aber immer schon vor. Bereits zwei Wochen zuvor haben alle Beteiligten ihre Rollen per Post bekommen. Ich selber durfte in die Rolle der Joan Cryford, einer britischen, selbstverliebten Schauspielerin schlüpfen, die auf die Rolle der geheimnisvollen Femme fatale abonniert war. Passend dazu habe ich mich im schicken Schwarzen mit großzügigem Ausschnitt, Zigarettenspitze und Ellbogen-langen, schwarzen Handschuhen verkleidet:
Ich als "Joan Cryford"
Der Einstieg war nicht ganz einfach. Erstmal mussten sich alle in ihre Rollen einfinden, die anderen Charaktere kennenlernen und die Hemmschwelle zur Schauspielkunst überqueren. Insgesamt ist das "Dinner" beziehungsweise das "Stück" in 4 Teile aufgeteilt: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und das Finale. Jeder Charakter bekommt sein eigenes Rollenheft, in dem seine Rolle beschrieben wird und der "Schauspieler" dessen Schwächen und Geheimnisse kennenlernt, die es vor den anderen Gästen zu verbergen gilt. Zu Beginn jedes Parts führen die Figuren einen Dialog, dessen Text vorgegeben ist. Danach bekommt jeder Charakter individuelle Regieanweisungen, welche Themen er anschneiden sollte und welche Hinweise er wann auszustreuen hat. Ansonsten ist allen Darstellern der Ablauf frei überlassen. Wenn dann alle Gäste aufgetaut sind, fühlt man sich tatsächlich wie in einem Sherlock Holmes Roman oder einem Miss Marple Krimi.
Castle Darkmore ist ein perfekter Platz, um einen Gruselfilm zu drehen. In dem alten Gemäuer gibt es eine Menge rostige Ritterrüstungen, quietschende Türen – und vor allem ein echtes Gespenst. Im 16. Jahrhundert ist hier die hässliche Lady Darkmore zu Tode gestürzt, hinterhältig dahingemeuchelt von ihrem Ehemann, der sie aus dem Weg geräumt hat, um seine hübsche junge Geliebte heiraten zu können. Tödlich verwundet verfluchte die Lady das Haus und drohte allen Ehebrechern in seinen Mauern den Tod an. An einem eisigen Wintermorgen liegt der Regisseur und Drehbuchautor, Oscar Wilder, tot im seinen Bett. In seinem Zimmer finden sich auch deutlich Indizien dafür, dass er die Nacht mit einer Frau verbracht hat – die nicht seine Ehefrau war. Pikanterweise ist die Tür zu seinem Schlafzimmer jedoch von Innen verschlossen. Und auf dem Brokatkleid der Lady, das im Schlossturm ausgestellt ist, finden sich Blutspuren… Hat das eifersüchtige Gespenst den despotischen Regisseur erdolcht? Oder war es doch ein Mörder aus Fleisch und Blut?
Unsere Gastgeberin hat unglaublich gute Arbeit geleistet. Sie selbst schlüpfte in die Rolle des Butlers. Zu Beginn gab es eine "Käsesuppe aller Famu", als Hauptspeise gefüllte Ofenkartoffeln mit Tomaten oder Nudeln und als Nachspeise Himbeersorbet. Um die Atmosphäre ein wenig zu vertiefen lief Musik aus dem vergangenem Jahrhundert. Gepeist haben wir an einer länglichen Tafel. Das großartige war, dass alle Gäste sich sehr mit eingebracht haben. Wir alle haben uns verkleidet und uns bei unseren Kostümen sehr viel Mühe gegeben. Das alleine für sich hat schon tierischen Spaß gemacht.
Der Flüch der grünen Dame
Je weiter das Spiel vorran geschritten ist, desto mehr sind alle aufgetaut und je mehr Anschuldigungen und Grübeleien gingen um den Tisch. Jeder hat versucht seinen Charakter wie sich selbst zu schützen und gerätselt, wer der Täter sein könnte und wie er das gemacht haben könnte. Um unsere Diskussionen und Geschichten ein wenig anzutreiben, liefert das Spiel eine Audio-CD dazu. Auf dieser CD hören wir den Inspektor sprechen, der seine Theorien in den Raum stellt, der nach jeder Runde ein Fazit zieht und schlussendlich den Fall auch auflöst. Das Spiel lässt sich leider nur ein einziges Mal spielen, da der Mörder von dem Spiel fest vorgeben wird. Dafür gibt es aus der Reihe, aus der auch "Der Flüch der grünen Dame" stammt, eine ganze Reihe unterschiedlicher Spiele, die jedoch für sich betrachtet jeweils rund 30 Euro kosten.

Schlussendlich war es ein richtig cooler Abend mit super Leuten. Allerdings braucht es etwas Zeit, bis man sich in das Spiel und auch in seine Rolle hinein gefunden hat. Ab der zweiten Runde im Spiel wurde es schon viel besser und gegen Ende hin war es richtig gut. Chapeau auch an die Gastgeberin, die sich sehr viel Mühe gegeben hat. War ein toller Abend!
Google Plus

Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

4 Kommentare:

  1. Ohh das klingt cool. Da muss ich mal schauen ob es sowas nicht auch hier in der Naehe gibt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es war wirklich gut. Falls es bei dir keinen Veranstalter gibt, kannst du ja eventuell auch, so wie wir es gemacht haben, einfach selbst eines dieser Krimidinners veranstalten. :) Unser Spiel hieß "Fluch der grünen Dame". Das und noch weitere von demselben Hersteller findest du zum Beispiel bei Amazon.

      Löschen
  2. Das klingt ja richtig toll! Ich finde es besonders schön, dass du dich auch nach deiner Rolle gekleidet hast. Du siehst super aus! Da werde ich mal gleich schauen, ob das bei uns in der Nähe auch angeboten wird! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke! :D Tu das, das lohnt sich wirklich sehr.:) Aber ich glaube, offizielle Krimi-Dinnerpartys können auch mal ganz schön teuer werden. Ich finde das ist es aber trotzdem wert.

      Löschen