Das große Seriensterben

Star Trek: Enterprise, Heroes, Lilyhammer, Deadwood, My name is Earl, FlashForward, Firefly, Reaper, Dollhouse und Veronica Mars... Was haben diese Serien alle gemeinsam? Richtig, sie wurden allesamt viel zu früh eingestellt. Willkommen auf dem Quotenfriedhof.

Vor einem Jahr wurde bekannt gegeben, dass die Produktion der norwegisch-amerikanischen Serie Lilyhammer eingestellt werden würde. Lilyhammer war die erste Serie, bei der Netflix maßgeblich mitmischte. Schuld am Ende der Serie trugen wie so oft die Zuschauerzahlen. Lilyhammer konnte nicht an den Erfolg von House of Cards, Daredevil oder Orange is the New Black anknüpfen. Die Folge: Scheinwerfer aus, Klappe zu, Schicht im Schacht. Ich habe das Gefühl, unsere Flimmerkisten hat das Seriensterben befallen. Eine Serie nach der anderen wird entweder eingestampft oder bis zum ermüden Tod gemolken.

Die Serie Lost ist für mich das Paradebeispiel einer Serie, die zwar gut anfing, aber den Punkt verpasste, an dem sie hätte enden müssen. Die Serie wurde von Staffel zu Staffel schlechter, die Story undurchsichtiger und frustrierender und von „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist“ haben die Macher wohl auch noch nie etwas gehört. Auch Two and a half men hätte meiner Meinung nach einen Schlussstrich ziehen sollen, nachdem Charlie Sheen gegangen ist. Dieses Problem haben viele Serien, die nach einer gewissen Anzahl von Folgen einknicken oder an Spannung verlieren. Trotzdem quälen wir uns meistens dann doch bis zum Ende durch, obwohl wir wissen, dass die Serie ihre besten Zeiten hinter sich gelassen hat und obwohl es so viele großartige andere Serien gibt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es an meinem Geschmack liegt, oder ob tatsächlich eine Qualitätskrankheit die deutsche Fernsehlandschaft befallen hat. Werfen wir doch mal einen Blick ins Free-TV. Nachmittagsprogramme wie die auf RTL, RTL2 oder SAT.1 beweisen, was anscheinend der Großteil unserer Bevölkerung sehen möchte. Salopp gesagt: Asi-TV. Hauptsache nicht nachdenken, sich über andere lustig machen können und das Leid der anderen begutachten. Im Internet ist das nicht anders: Die YouTube-Startseite zeigt seit längerem, was gefragt wird. Rote Kreise und Pfeile, CAPSLOCK TITEL und Brüste, Pranks oder Challenges. Von Niveau keine Spur. Macht aber nichts, solange die Quote stimmt. Sender wie ProSieben zum Bespiel fahren seit Jahren nach diesem Schema und lassen die IMMER SELBEN Folgen von How I met your mother, Simpsons oder Big Bang Theory auf und ab laufen. Dabei gibt es so viele andere, innovative Serien! Rick and Morty zum Beispiel.

Die Folge: Es wird immer dasselbe produziert. Wieso etwas wagen, wenn man doch bereits weiß, was gut ankommt? Wozu das mühsam erschuftete Geld riskieren? Nein, lieber immer denselben Schrott produzieren und das, was nicht direkt Anklang findet, einfach wieder einstampfen. Doch ist das wirklich der Grund für das Seriensterben? Können sich gute, komplexe Serien einfach nicht mehr durchsetzen? Und tatsächlich setzen wir lieber auf alt vertrautes, als neue Risiken einzugehen. Das gilt nicht nur für die Macher, sondern auch für die Zuschauer. Die Zeit ist knapp, der Feierabend kurz, die Routine sitzt.

Firefly? Noch nie gehört. Ich sehe lieber dieses Fear the Walking Dead von dem alle reden.“

Lilyhammer war innovativ, witzig und mal etwas völlig neues. Es frustet mich zu sehen, wie sich das Zuseher-Verhalten im Fernsehen, auf Youtube und On-Demand verändert und ich habe das Gefühl, mit dieser Meinung völlig alleine dazustehen. Wieso werden großartige Serien eingestampft und wieso hält sich so viel Schrott so lange und wird noch in solchen Massen geguckt? Ich habe das Gefühl, mehr Menschen gucken mittlerweile Keeping Up with the Kardashians als Doctor Who.

Mir persönlich passt dieses Seriensterben ganz und gar nicht. Ich habe das Gefühl, jede Serie, egal ob alt oder neu, die ich für mich entdecke und für großartig befinde, wird früher oder später eingestampft, während sich der ganze Müll endlos in die Länge zieht. So verblödet können wir doch gar nicht sein. Die Masse hat NICHT immer recht. Was sagt ihr zum Seriensterben? Gibt es Serien, denen ihr hinterher trauert und die ihr vermisst? Das würde mich wirklich interessieren.
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Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

12 Kommentare:

  1. Also Firefly trauere ich irgendwie nur indirekt hinterher. Mir ist aufgefallen, dass die Episoden zwar die Charaktere weiter entwickeln, aber meist ueberhaupt nicht aufeinander aufbauen und bis auf ein paar Eckpfeiler keine grosse Story verfolgen.
    Natuerlich haette ich auch gern noch ein paar Folgen oder Staffeln mehr gehabt, aber dann haette ich die bis heute wohl nicht so oft nochmal geschaut und koennte sie auch Freunden nicht so einfach empfehlen, weil es "sind ja nur 14 Folgen, geht voll schnell!" Und mit dem Film wurde die Show dann ja auch irgendwie abgeschlossen.

    Generell versuche ich momentan aber auch weniger Serien zu gucken und wieder mehr Filme zu schauen. Kann aber auch daran liegen, dass zu viele meiner Shows parallel laufen und ich mir da selbst immer so Druck mit mache xD

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    1. Ja, das ist wohl war. Ich finde, dass Firefly ziemlich unterbewertet ist und ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. Mit mehr Budget hätte man da noch so viel mehr raus holen können. Potenzial war ja da. Aber sobald die Quote mal nicht stimmt, wird sowas ja gerne mal ignoriert und statt an Feinheiten zu feilen wird lieber die ganze Produktion in den Sand gesetzt. Weil billiger.

      Ist bei mir im Moment auch so. :D Bei Filmen wird man auch nicht enttäuscht, wenn es keine Fortsetzung gibt. - Im Gegenteil, oft sind Fortsetzungen hier ja doch eher etwas schlechtes.
      Dafür bewertest du aber sehr fleißig und zuverlässig. Finde ich gut! :D

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  2. Das denke ich mir leider auch immer :-(

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  3. "Sender wie ProSieben zum Bespiel fahren seit Jahren nach diesem Schema und lassen die IMMER SELBEN Folgen von How I met your mother, Simpsons oder Big Bang Theory auf und ab laufen."
    Du hast Two and a half men vergessen :D

    Aber man darf auch nicht unterschätzen, wieso diese ständigen Wiederholungen so erfolgreich sind: Weil sie zu einer Sendezeit laufen, in denen es auf anderen Sendern nur solche "Perlen" wie Berlin Tag und Nacht, Auf Streife oder irgendwelche anderen Laiensendungen gibt. Da schau ich mir auch lieber zum 30. Mal Big Bang Theory an.

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    1. Wie konnte ich "Two and a half men" nur vergessen. :D
      Ja, stimmt. Traurig, dass eben jene Perlen trotzdem so erfolgreich sind und regelmäßig in hohen Zuschauerzahlen gesehen werden. Da ist das Angebot von ProSieben zwar auf jeden Fall besser, aber leider eben auch nur im Verhältnis zu den anderen Serien. Für sich betrachtet sind die Folgen nach der hundertsten Wiederholung leider genauso nervig.

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  4. Teilweise trauere ich auch um einige Serien, allerdings komme ich auch manchmal gar nicht hinterher mit dem Schauen. Da Comedy bei mir nur ganz schlecht funktioniert, bleiben solche Serien mir meist erspart. Will auch keiner mit mir zusammen schauen, da ich dann zum dauer-kommentierenden Besserwisser mutiere. :) Anders verhält es sich da mit meinen Lieblingsserien. Auf die nächste Staffel Sherlock und/oder Dr. Who wird sehnsüchtigst gewartet und wahrscheinlich wird auch eine Party geschmissen, bei der alle zusammen gucken. Fernsehen schaue ich nur selten und wenn dann nur ausgesuchte Titel. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich auf eine komische Art mutiere, wenn ich etwas ganz doof finde, es aber trotzdem schauen muss, wie Comedy. Schön, dass noch einer die Schwäche bei Lost sieht. Habe es irgendwann abgebrochen. Auf deine Empfehlung hin schaue ich momentan Rick & Morty. Bis jetzt sehe ich nicht viel Innovation, aber ich bin ja auch kein Comedy-Fan. Trotzdem werde ich es bis zum Ende schauen und mir dann erst eine Meinung bilden. Vielleicht muss man auch erst reinkommen. Und da liegt bei vielen der Knackpunkt - der Durchschnittszuschauer muss sofort alles verstehen und ist kaum noch in der Lage einer komplexen Handlung zu folgen. Wie war das noch im Film Free Rainer - Dein Fernseher lügt? Wenn man den Leuten nur Scheiße zeigt, wollen sie auch nur Scheiße sehen… Ist wohl was Wahres dran.

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    1. Damit bringst du es ziemlich genau auf den Punkt: "Der Durchschnittszuschauer muss sofort alles verstehen und ist kaum noch in der Lage einer komplexen Handlung zu folgen." Traurig, denn ich habe das Gefühl, dass da dauerhaft wirklich das Angebot drunter leidet und eben immer mehr Schrott produziert wird, während sich an die guten Produktionen einfach nicht mehr ran getraut wird.
      Sag mir am Ende gerne, wie du Rick und Morty fandest. :)

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  5. Mir geht es ähnlich wie Gwyn. Ich traurere Serien wie Firefly auf jeden Fall hinterher. Dafür gibt´s aber auch wahnsinnig viel für mich interessanten Kram. Zum Beispiel all die Marvel Dinge. Im Moment sehe ich außerdem The Night Manager (hab´s noch nicht beendet aber bisher kann ich es nur empfehlen), Shanara Chronicles (kann ich eher nicht empfehlen) und Transparent. Hab aber sicher noch einige vergessen und da ich gerade darüber nachdenke, fallen mir auch noch die DC-Serien ein. Gibt ja nicht nur Marvel. xD

    Aber 24 und einige andere Serien hätte ich trotzdem gern zurück. :o

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    1. Zum Glück bin ich nicht die einzige der es da so geht. 24 ist ein guter Punkt, die habe ich auch gerne gemocht. Ich hoffe die Fernsehlandschaft erholt sich irgendwann von ihrer Qualitätsflaute und traut sich irgendwann wieder mehr innovatives zu produzieren und auch weiterzuführen.

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  6. Ich vermissen Numb3rs, Cracked, King and Maxwell, The Glades, Perception....

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  7. Lilyhammer war der Hammer, echt schade.._

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