Jessica Jones: Alias Vol. 1 (Marvel MAX)


Ich mag es gerne düster, verworren und tiefgründig. Das gilt für Filme, Bücher, aber auch für Comics. Im Prinzip kommt da nur eine Superheldin in Frage: Jessica Jones. Der Hype um die ungewöhnliche Heldin wurde nicht zuletzt durch die Netflix-Serie neu entfacht. 

Titel: Jessica Jones: Alias Vol. 1 
Autor: Brian Michael Bendis 
Illustrator: Michael Gaydos, Bill Sienkiewicz 
Sprache: Englisch 
Format: Broschiert 
Verlag: Marvel MAX 
Erschienen am: 22. September 2015 
ISBN: 978-0785198550 

Für all jene unter euch, die die Serie noch nicht gesehen haben, ist der Comic eine großartige Einführung in die Geschichte und das Wesen von Jessica Jones. Jessica ist eine Superheldin, hat aber mit ihren Strahlemänner-Kollegen wenig am Hut. Ihren ersten Auftritt hatte sie im Comic Alias #1 aus dem Jahr 2001, das unter dem neu gegründeten Marvel MAX-Imprit für altersbeschränkte Titel mit erwachsenen Inhalten erschien. Jessica flucht gerne, hat ein Alkoholproblem, sagt regelmäßig „Fuck“ und ist Kettenraucherin. Nicht unbedingt das, was eine Superheldin ausmacht, oder? Sie verlor früh ihre Eltern und arbeitet als Privatdetektivn in New York.

Tatsächlich hat sie einst als Superheldin
„Jewel“ gearbeitet, ist jedoch von dem gescheiterten Versuch traumatisiert. [Spoiler] Schuld daran trägt der so genannte Purple Man, ein lilahäutiger Meistermanipulator, der sie entführte, sie zu seiner Marionette machte und sie zwang, bei seinen Verbrechen zuzusehen. Eine Zeit lang kämpfte sie als düstere Superheldin „Knightress“ weiter, bis sie dann das Superheldendasein völlig aufgab. [Spoiler Ende] Seither flucht, prügelt und schläft sich nun als Privatdetektivin durch Hell's Kitchen.

Die Story
Der Comic beginnt, wie die meisten Jessica Jones Geschichten, in ihrer Detektei Alias Investigationsin einem Gespräch mit einem ihrer Klienten, der, ebenfalls Jessica Jones typisch, kurze Zeit darauf durch die Glasscheibe in der Tür zu ihrem Büro fliegt. Denn Jessica ist unmenschlich stark und kann so hoch, weit und lange springen, dass es beinahe mit Fliegen verwechselt werden könnte. Daraufhin lernen wir das Wesen von Jessica etwas genauer kennen, ihre Abgründe, ihre Freunde, aber auch ihre Feinde und Ängste und mit jeder Seite wächst uns die gebrochene Heldin mehr und mehr ans Herz. Immer wieder wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, bis sie droht selbst daran kaputt zu gehen. Jessica bekommt einen Fall, um die verloren gegangene Schwester einer Dame zu finden. Dabei stößt sie jedoch auf etwas ganz anderes: Die geheime Identität von Captain fucking America! Das hält sie aus Versehen auch noch auf Band fest. Klar, dass nicht nur Jessica an dem Material interessiert ist...
 
Artwork
Die Story finde ich von Anfang bis Ende brilliant. Doch auch die Zeichnungen sind absolut mein Ding! Ich finde den Zeichenstil einfach fantastisch. Die Zeichnungen sind detailreich, düster und charaktergerecht. Die Mimik der Charaktere ist auf jedem Bild klar erkennbar und die Farbschemata ziehen einen beim Lesen regelrecht in die aktuelle Szene hinein. Die Seiten sind nicht überladen und bieten doch reichlich Platz für Informationen und Dialoge. Der Comic bleibt dabei aber nicht eintönig. Große Zeichnungen und viele kleinere, hekterische Szenerien wechseln sich wunderbar stimmig ab und sorgen dafür, dass der Comic lebhaft und spannend zugleich bleibt. Die Unterschiede zwischen der Jessica Jones als „Jewel“ und Jessica Jones als Privatdetektivin sind gravierend und kommen schon ohne die Sprechblasen wundervoll zur Geltung. Ich bin von dem Zeichenstil absolut begeistert! Es trifft exakt meinen Geschmack und meinen Ansprüchen, die ich an einen guten Comic stelle. Wer allerdings auf viele bunte Bildchen und überladene Action steht, der wird hier nicht fündig.

Fazit
Ich persönlich mag düstere Geschichten und Charaktere mit Ecken und Kanten und einer dunklen Vergangenheit sehr. So mag ich zum Beispiel auch Batman wesentlich lieber als Superman. Ich finde solchen Geschichten unfassbar spannend und leide und fiebere regelrecht mit den Charakteren mit. Wo wir gerade bei „Charakter“ sind. Ich liebe Jessica Jones Charakter und ihre Art. Ihre Geschichte ist herzzerreißend und spannend sowie absolut schonungslos und brutal. Das alles schmiedete aus ihr eine unglaublich vielschichtige und vor allem glaubwürdige Figur. Das macht die Comicreihe jedoch auch um einiges anspruchsvoller als die meisten anderen Superhelden-Comics und ist für Kinder wohl wirklich nicht geeignet. Meiner Meinung nach hat die Geschichte um sie den Harvey Award für die „Beste Neue Serie“ 2002 und den Comics Buyer's Guode Award in der Kategorie „Beste Comicserie“ 2003 absolut verdient. Jessica Jones ist und bleibt also eine meiner absoluten Lieblings-Superheld(inn)en.

Fun Facts (mit Spoilerwarnung)
Jessica erlangte ihre übermenschlich starken und flugfähigen Superkräfte übrigens bei einem Verkehrsunfall mit einem Militärtransporter, bei dem auch ihre Eltern starben. Gegebenfalls derselbe Unfall, bei dem auch Daredevil seine Fähigkeiten erlangte? Im Laufe der Comic-Reihe erfahren wir, dass Jessica eine Klassenkameradin von Peter Parker (besser bekannt als Spider-Man) war. Außerdem arbeitete ihr Vater für niemand geringeren den berühmten Tony Stark, besser bekannt als Iron Man. 

Ich selber bin großer Jessica Jones Fan und bin der Meinung, dass sowohl die Comics wie auch die Serie der Geschichte der Jessica mehr als gerecht werden und absolut sehens-, bzw. lesenswert sind. Der Comic ist sehr schön illustriert, hat packende Dialoge und großartige Charakterskizzen. Die Farben sind stets ein wenig düster und einschlägig, was für ein schönes Ambiente sorgt. Alias Vol.1 ist ein umfangreicher Band mit vielen Bildern, der auch Jessica-Neulingen vollkommen gerecht wird. Meiner Meinung nach absolut empfehlenswert!
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Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

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