Wie Scarface das Gangster Genre veränderte



Alle Jubeljahre wieder erscheinen Juwelen in der Filmindustrie, die ihr Genre, und auch vieles darüber hinaus, massiv beeinflussen. Einer dieser Juwelen ist Scarface mit Al Pacino in der Hauptrolle. Der Filmklassiker hat nicht nur die Erzählweise von Gangster Filmen grundlegend neu definiert, sondern auch Spiele und Literatur nachhaltig geprägt.

Neben Der Pate, GoodFellas oder Pulp Fiction ist Scarface ein Mitbegründer des modernen Gangsterfilms. Popmusik und bunte, auffällige Bilder treffen auf derbe Dialoge. Harte, unvermittelte Gewaltszenen dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen. Insbesondere die Art zu sprechen von Antonio Montana hinterließ in der Unterhaltungsindustrie einen nachhaltigen Eindruck. Die ruppige, realitätsnahe Sprache darf mittlerweile bei keinem Gangster mehr fehlen. Scarface verstand sich außerdem darin, Elemente aus dem Film noir, inklusive einer Kritik an dem amerikanischen Traum, mit der unvergleichlichen Inszenierung des Antihelden zu verbinden. Der Film verstand sein Handwerk sogar so gut, dass viele Elemente daraus gar ganz kopiert wurden.

Ein Spiel, das sich besonders stark an Scarface orientierte, ist GTA Vice City. Die GTA-Reihe ist für seine Gewalt, seine Musik und auch seine Charaktere berühmt und berüchtigt. Paradebeispiel ist Tommy Vercetti, dessen Name schon an Tony Montana (Tommy/ Tony) erinnert. Doch auch in Puncto Story weist Vice City einige Parallelen zu Scarface auf: Sowohl in Film wie auch Spiel geht es um einen mittellosen Mann in den 80er Jahren, der innerhalb einer Verbrecherorganisation aufsteigt und sie schlussendlich übernimmt. Insbesondere am Haus von Tommy lässt sich erkennen, dass sich stark an Scarface orientiert wurde:


Quelle: GTA Wikia

Wem das als Beweis nicht genügt, der findet in Vice City ein Apartment mit einer Kettensäge im Badezimmer, deren Wände mit Blut verschmiert sind. Doch GTA Vice City ist nicht das einzige Spiel, das sich an Scarface ein Beispiel nahm. Auch das 2013 erchienene Payday 2 bot ein Scarface DLC an, in dem man Tony Monatana selbst spielen konnte.

Doch wie wir schon vor einigen Monaten festgestellt haben: Was im Spiel funktioniert, funktioniert auch im TV. Nicht zum ersten Mal haben Spiele Filme und anders herum inspiriert. Neben diversen Erwähnungen in bekannten TV-Serien, wie zum Beispiel South Park, orintierten sich nach der Premiere von Scarface im Jahr 1983 auch immer mehr Filme und Serien an dem Typen Gangster, den Tony Montana verkörperte. Gangster mussten nach Tony mehr zu bieten haben, als nur ein großes Reportoire an Waffen und schicken Anzügen. Die Charaktere wurden mit Tony vielschichtiger, unberechenbarer und das Gangster Buisness weniger glamourös.

Genau dieser Ruf war und ist es, den Rapper sich auch gerne selbst anhaften. Neben den Rappern Tony Yayo, G Unit oder auch Scarface, entnahmen diverse Künstler ihr Pseudonym oder Referenzen aus dem Film. Der Spruch "Say 'Hello' to my little friend" ist ein Teil der Popkultur geworden und Teil in divseren Songtexten. Selbiges gilt für "The World Is Yours". Insbesondere die Trennungsszene aus dem Restaurant wurde mehrfach rezenziert oder interpretiert.

Ich persönlich finde Scarface und den Eindruck, den er bei der Unterhaltungsindustrie hinterlassen hat, großartig. Fallen euch noch weitere Beispiele für Filme, Bücher, Serien oder auch Spiele ein, die ihr Genre oder darüber hinaus maßgebelich prägten?
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Über Nonsense Entertainment

Hinter Nonsense Entertainment verbirgt sich Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Internetfreundin Sarah Weiher. Besonders gerne befasst sie sich mit der Internetkultur, Rollenspielen, Science Fiction-Literatur, Netflix Serien und dem Storytelling.

2 Kommentare:

  1. Letztens schrieb schon mal jemand auf Twitter über Sacarface und ich meinte, dass ich den gar nicht so mag. Ich hab den zwar im Regal stehen, hab ihn aber irgendwie als recht langatmig und stellenweise zu brutal in Erinnerung. Vielleicht muss ich den nochmal sehen.
    Andere Filme, die nicht nur ihr Genre, sondern die gesamte Popkultur, beeinflusst und verändert haben? Hm, da fallen mir direkt eine ganze Reihe ein. Matrix, 2001 - Odyssey im Weltall, Der Pate (nanntest du ja bereits), Akira (wird sehr häufig "zitiert", also optisch, nicht sprachlich)… puh, es gibt so viele. Herr der Ringe hat für immer unser Bild von Zauberern geprägt und hat uns Orks und Elben gebracht, die schon heute fast gleichbedeutend mit Zwergen sind. Gerade Orks sind ja eine neue Erfindung und nicht wie Elben und Zwerge in Sagen verankert, ich schätze, bald wird da niemand mehr einen Unterschied machen. In den USA kennt jeder "Wizard of Oz", weshalb das ziemlich häufig referenziert wird, z.B. in Stargate andauernd ("We're not in Kansas anymore"). Bei uns kennt man das zwar auch, aber da hat es wirklich jedes Kind immer und immer wieder gesehen, weshalb man das Werk zitieren kann und weiß, die Zuschauer/Leser erkennen das Zitat. Sobald ich auf "veröffentlichen" geklickt habe, werden mir sicher noch 100 weitere Dinge einfallen :)

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    1. Tatsächlich? :D Ich muss zugeben, dass ich Scarface erst vor ein paar Tagen gesehen habe (weshalb es schlussendlich auch zu diesem Artikel kam) und ich fand den Film einfach nur grandios. Ich muss aber auch sagen, dass Scarface einer dieser Filme ist, die nur im OTon Spaß machen, weil sonst nur die Hälfte von Tony Montana rüber kommt.

      Und tierisch gute Liste übrigens. Herr der Ringe war definitiv auch so ein Meilenstein, absolut. Auf ihm basiert einer der größten Meilensteine einer nächsten Generation: Harry Potter. J.K. Rowling hat sich daran schließlich auch ein riesen Beispiel genommen.
      Wizard of Oz steht noch auf meinem Pile of Shame. Echt seltsam, dass das in den USA so ein riesen Ding ist und hier viele das gar nicht kennen. ^-^

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